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Deutsche Stiftung Musikleben trauert um Irene Schulte-Hillen

Mit großer Trauer und tiefer Bestürzung hat die Deutsche Stiftung Musikleben vom Tod ihrer langjährigen Präsidentin und Ehrenpräsidentin Irene Schulte-Hillen erfahren. Wie ihre Familie mitteilt, ist Irene Schulte-Hillen am 12. Januar 2023 nach schwerer Krankheit in Hamburg verstorben.

Die Deutsche Stiftung Musikleben trauert um ihre langjährige Präsidentin und Ehrenpräsidentin

Mit großer Trauer und tiefer Bestürzung hat die Deutsche Stiftung Musikleben vom Tod ihrer langjährigen Präsidentin und Ehrenpräsidentin Irene Schulte-Hillen erfahren. Wie ihre Familie mitteilt, ist Irene Schulte-Hillen am 12. Januar 2023 nach schwerer Krankheit in Hamburg verstorben.

30 Jahre lang führte Irene Schulte-Hillen die Deutsche Stiftung Musikleben und machte sie zur einer der wichtigsten Förderinstitutionen für hochbegabte junge Musikerinnen und Musiker in Deutschland. Ihre Vision: junge Künstlerinnen und Künstler durch wertvolle Leih-Instrumente und individuelle Förderung bei ihrer Ausbildung zu begleiten. So geht der Deutsche Musikinstrumentenfonds mit seinen heute über 250 herausragenden Streichinstrumenten auf ihre Initiative zurück, der Fonds ist heute das Herzstück der Stiftung. Musik spielte in Irene Schulte-Hillens Leben immer eine wichtige Rolle; sie selbst hatte neben Volkswirtschaftslehre auch Gesang studiert. 1992 richtete sie für die Stiftung eine Geschäftsstelle in Hamburg ein und rief im gleichen Jahr die Konzertreihe „Foyer junger Künstler“ ins Leben sowie zahlreiche Stipendien- und Patenschaftsprogramme, die das Fundament der Stiftungsarbeit bilden. Auch die Kooperation mit dem Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ und dem Deutschen Musikwettbewerb sowie die Förderung und Zusammenarbeit mit dem Bundesjugendorchester waren ihr wichtige Projekte. Besonders lag ihr auch das jährliche Sommerkonzert in St. Severin auf Sylt am Herzen. Drei Jahrzehnte lang engagierte sie sich mit hohem persönlichem Einsatz in der Stiftungsarbeit und nahm selbst großen Anteil an der Ausbildung der Stipendiatinnen und Stipendiaten. Ihr unermüdliches Engagement und die von ihr entwickelten Förderprojekte prägen die Stiftung bis heute. Im Dezember 2022 legte sie ihr Amt als Präsidentin nieder und wurde vom Präsidium für ihre großen Verdienste zur Ehrenpräsidentin ernannt. Die Deutsche Stiftung Musikleben wird ihr ein ehrendes Andenken bewahren und ihr Lebenswerk fortsetzen.

„Mit Irene Schulte-Hillen verliert das Musikleben in Deutschland eine große Persönlichkeit. Über drei Jahrzehnte ist sie Kopf und Herz unserer Stiftung gewesen. Ihr Einsatz für die Förderung hoch begabter junger Musikerinnen und Musiker war beispielgebend, ihre Energie unerschöpflich. Hunderte junger Menschen hat sie auf ihrem künstlerischen Weg begleitet, darunter solche Ausnahmekünstler wie Igor Levit, Cornelius Meister, Nicolas Altstaedt, Veronika Eberle oder Viviane Hagner. Sie wird uns unvergessen und der Stiftung Vorbild bleiben“, sagt Prof. Manfred Lahnstein, Vorsitzender des Kuratoriums der Deutschen Stiftung Musikleben.

„Mit Herz und Verstand, Rat und Tat war Irene Schulte-Hillen wegweisend für Laufbahnen zahlreicher junger Musikerinnen und Musiker, die sich dank ihrer selbstlosen Unterstützung auf den großen Bühnen etablieren und Neues schaffen konnten. Wie viel reicher ist unser Musik- und Kulturleben durch ihr Engagement geworden – und dass dieser Einfluss im künstlerischen Schaffen einer ganzen Generation noch lange nachwirken wird, gibt uns Trost und Mut“, sagt
Dr. Clemens Trautmann. Der Präsident der Deutschen Grammophon ist als Klarinettist selbst ehemaliger Stipendiat der Deutschen Stiftung Musikleben.

Ein persönlicher Nachruf von Prof. Manfred Lahnstein

Danke, Irene!

Im alten „Paolino“ an der Außenalster lag die Speisekarte mit einem Foto aus. Es zeigte Irene Schulte-Hillen mit ihrem Mann Bela, Henri Nannen und Johannes Groß. Die lachten einen an – ein Bild eindrucksvoller Lebensfreude. Dieses Bild ist mir über vier Jahrzehnte nicht aus dem Kopf gegangen, in denen ich Irene gekannt und bewundert habe. Ob am Grotiusweg oder auf Sylt, ob auf Upper Captiva Island oder in der Geschäftsstelle der Stiftung: überall war sie mehr als präsent in einer unvergesslichen Mischung aus Energie, Optimismus, Selbstbewusstsein und Zuwendung. Für „ihre“ jungen Musikerinnen und Musiker hat sie wie eine Löwin gekämpft. Ich habe erleben dürfen, dass sie sich bei ihr gut aufgehoben, ja zuhause gefühlt haben. Und die großen Erfolge ihrer Arbeit werden zu Recht gewürdigt.

Herzerwärmend bei aller Erschütterung dann ihr Einsatz für ihren erkrankten Mann. Bela, den doch anscheinend nichts umwerfen konnte! Ach, hätten wir ihr diesen schweren Weg doch irgendwie erleichtern können! Und nun ist Irene Schulte-Hillen von uns gegangen. Es stimmt: Sie hinterlässt ein großes Loch. Dieser Herausforderung wollen wir uns stellen. Ich aber werde das alte Foto aus dem „Paolino“ im Herzen und in der Erinnerung behalten.

Danke, Irene!

Ein persönlicher Nachruf von Dr. Clemens Trautmann

"Ihre Sorge wacht nicht mehr." Dieser Schiller-Vers kommt als erstes in den Sinn. Mit Irene Schulte-Hillen hat uns ein selbstlos großzügiger, leidenschaftlich kreativer und zutiefst inspirierender Mensch viel zu früh verlassen, deren Sorge um andere, um das Kulturleben insgesamt eine Lebensaufgabe war. Wie wegweisend sie für Laufbahnen von jungen Musikern wie mich mit Rat und Tat, Herz und Verstand wirklich war, ist mit dem offiziellen Titel „Präsidentin der Deutschen Stiftung Musikleben“ unzureichend wiedergegeben - eine Rolle, die sie sagenhafte drei Jahrzehnte ehrenamtlich und zuletzt ehrenhalber bekleidete. Oder treffender: schuf, definierte, mit jeder Faser verkörperte. Irene Schulte-Hillen wiederum als „Mutter der Stiftungsfamilie“ anzusehen, wie das intern unter Stipendiatinnen und Stipendiaten und im großen Kreis von Förderern und Kuratoren häufig liebevoll geschah, würde ihre immensen Verdienste um unser öffentliches Musikleben viel zu kurz kommen lassen. Und es wäre auch deshalb nicht ganz richtig, weil ihre Sorge und Liebe doch zuallererst ihrer eigenen Familie und ihrem Mann Bela galt, von dem wir ebenso schmerzhaft vor einem guten Jahr Abschied nehmen mussten.

Schlaglichter auf liebe, prägende Erinnerungen scheinen plötzlich auf, wenn man so eine niederschmetternde Nachricht erhält: Der erlösende Anruf von Irene Schulte-Hillen, nachdem sie unter großem persönlichem Einsatz ein Förderstipendium für mein Studium in New York gesichert hatte. Solche Geschichten könnte jede Stipendiatin und jeder Alumnus erzählen, und natürlich verändern diese Momente und Erfahrungen künstlerische Biographien, geben Selbstvertrauen, setzen kreative Energie frei. Die Anmoderation unseres ersten größeren Stiftungs-Auftritts in Schloss Pillnitz Dresden, bei der die übersprudelnde Begeisterung für die Sache und die jungen Leute wichtiger ist als das eigentlich Gesagte. Der Spontan-Flug nach Tel Aviv zu einem Konzert an der Koteret-Journalistenschule und der reflektierende Spaziergang in Jaffa am Morgen darauf. Das ernste Gespräch zur Nachtstunde nach dem Sylter Sommerkonzert, wo es darum geht, dass berufliches und privates Glück vielleicht auch darin liegen könnte, auf eine Musikerkarriere zu verzichten - wie die junge Gesangsstudentin Irene Schulte-Hillen das unter anderen Vorzeichen selbst getan hat. Die letzte gemeinsame Präsidiumssitzung mit den Weichenstellungen für die Zukunft der Stiftung, ihres Lebenswerks, wo sich Sorge und Pflichtgefühl immer mehr in Vertrauen und Zuversicht wandeln. Und nicht zuletzt - wiederum zwei Jahrzehnte zuvor - die fast ungläubige Freude, die bis in die letzte Reihe der Weggefährten in Schloss Bellevue strahlt, als Irene Schulte-Hillen aus der Hand des Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz erhält. Man meint das bescheidene Stiftungs-Motto zu verspüren, das einer der Gründer salopp so formulierte: „Ich sammle doch nur das Geld anderer Leute für junge Menschen, an deren Begabung ich nicht schuld bin.“

Irene Schulte-Hillen hat unglaublich viel erreicht mit diesem Arbeitsethos, mit ihrer Begeisterung und vor allem auch mit ihrer klugen Entschlossenheit - gerade dann, wenn sich großartige Möglichkeiten abzeichneten: die Musikinstrumente der Bundesrepublik und DDR im Deutschen Musikinstrumentenfonds zu vereinen, eine Dankeschön-Tournee des Bundesjugendorchesters in die USA zum Jubiläum der Luftbrücke zu organisieren und nach Polen im Zeichen der Aussöhnung Europas. Und sie hat die Stiftung durch Partnerschaften, mutige Instrumentenkäufe (unvergesslich die charmante Sprachfärbung, wenn Irene Schulte-Hillen von „Inschtrumenten“ sprach) und die Bindung treuer Freunde, Förderer und Kuratoren in eine neue Dimension geführt, in der sie weiter verlässlich und kreativ an einem vielfältigen und sich stets erneuernden Musikleben mitwirken kann.

Weniger sichtbar, aber vielleicht sogar noch nachhaltiger ist, was Irene Schulte-Hillen uns Stipendiaten mitgegeben hat. Es ist für mich persönlich keine Übertreibung zu sagen, dass mein Leben ganz anders - jedenfalls weniger erfüllend und chancenreich - verlaufen wäre ohne die intensive Begegnung mit Irene Schulte-Hillen. Und ich weiß aus einigen Begegnungen mit aktuellen Stipendiaten und befreundeten Alumni, dass sie es sehr ähnlich erlebt haben. Und das gibt ein wenig Trost.

Schon in den letzten Monaten hat Irene Schulte-Hillen uns mit ihrer Zuwendung und ihrem unermüdlichen Engagement bei der Deutschen Stiftung Musikleben gefehlt. Aber erst jetzt wird dieses Fehlen so endgültig und macht unendlich traurig. Meine Gedanken sind bei der Familie Schulte-Hillen und bei allen Freunden und Weggefährten. Dabei wird erstmals in aller Klarheit bewusst, wie viele neue Freundschaften Irene Schulte-Hillen gestiftet und wie viele Menschen sie über Generationen im Sinne der Musik und Nachwuchsförderung vereint hat. Das wird bleiben, das macht uns allen Mut. Ihre Sorge wacht weiter.

 

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